Du bist hochbegabt und hast solche Noten im Zeugnis?

Einsteins Abitur-ZeugnisManche Eltern reagieren enttäuscht, wenn ihr cleveres Kind nicht nur Einsen im Zeugnis hat. „Ja und? Albert Einstein hatte ganz oft die Note 6“ sagen Schüler, um die eigenen schlechten Leistungen zu relativieren. Ja, das stimmt, aber Einstein hat das Abitur in der Schweiz abgelegt. Dort ist die Note 6 die beste Note und bedeutet „sehr gut“. Übertragen auf deutsche Verhältnisse würde sein Zeugnis so aussehen:

Ganz klar kann man Einsteins Begabung sowie seine Begeisterung für Mathematik und Naturwissenschaft erkennen. Ebenso muss er ein sehr gutes Gedächtnis gehabt haben, so dass er sehr gute Leistungen in Geschichte gezeigt hat. Lediglich Französisch schien er nicht zu mögen, das einzige Fach mit der Bewertung „ungenügend“. Würde man alle Fächer gleich gewichten, läge der Durchschnitt – umgerechnet auf das deutsche 6stufige Notensystem – bei 2,0.

Nicht alle Kinder kommen nach der Zeugnisausgabe mit solchen Bewertungen nach Hause, manchmal gibt es vielleicht die Note 5 oder 6, eventuell große Unterschiede zwischen einzelnen Fächern. Wie können Eltern gut und richtig reagieren auf das Zeugnis ihres Kindes?

Ganz wichtig: geben Sie Ihrem Kind das Gefühl, dass es geliebt ist – ganz egal, wie die Noten aussehen. Das Kind soll sich als Person akzeptiert und angenommen fühlen. Wenn etwas kritisiert wird, soll sich das nur auf ein Verhalten des Kindes beziehen aber nicht auf die Person.

Sprechen Sie zuerst das Positive an – immer!

Zunächst sollte über das gesprochen wird, was gut gelaufen ist. Loben Sie Ihr Kind, sprechen Sie unbedingt zuerst über die Fächer mit guten Noten. „Das ist super, dass Du in Deutsch/Mathe so eine gute Note hast. Liegt das daran, dass Du so gerne Aufsätze schreibst/Aufgaben rechnest?“ Fragen Sie z.B.:

  • Was gefällt Dir an dem Fach, macht Dir Spaß?
  • Wie gut kommst Du mit der Lehrerin zurecht?
  • Woran liegt es, dass Du die Klassenarbeiten so gut geschrieben hast?
  • Vermutlich hast Du oft die Hausaufgaben erledigt?
  • Gibt es andere Kinder, mit denen Du gut zusammengearbeitet hast?

Lassen Sie Ihr Kind erzählen, was ihr/ihm Spaß gemacht hat, welche Aktionen Erfolg hatten, was alles positiv war. Hören Sie lange zu.

Fragen Sie erst anschließend nach Problemen

Um herauszufinden, welche Dinge zu schlechten Noten geführt haben, können Sie ganz ähnlich fragen wie oben:

  • Wo liegen die Probleme in diesem Fach?
  • Wie gut kommst Du mit dem Lehrer zurecht?
  • Woran liegt es, dass Du Schwierigkeiten hattest bei den Klassenarbeiten?
  • Welche Probleme gab es, die Hausaufgaben zu erledigen?
  • Gibt es andere Kinder, mit denen Du gut zusammen arbeiten könntest?

Eine häufige Ursache von schlechten Noten – gerade bei sehr cleveren Kindern – ist die Tatsache, dass das „Lernen lernen“ nicht stattgefunden hat. In der Grundschule ist das seltener ein Problem, wenn das Kind im Unterricht bei ihm bekannten Inhalten sich mit anderem beschäftigt. Die häufigen Wiederholungen braucht es nicht, vieles wird beim ersten Mal verstanden und kann aufgrund des guten Gedächtnisses auch leicht abgerufen werden. Problematisch wird es meist in der weiterführenden Schule, wenn kein Training stattgefunden hat. Training im Sinne von:Zeugnis Underachiever

  • Vokabeln wiederholen, Grammatik anwenden, unregelmäßige Verben auswendig lernen, Merkmale von Sprache in Aufsätzen, Berichten u.ä. einbringen
  • Formeln lernen, Berechnungen durchführen, den Schwierigkeitsgrad steigern, Lösungswege von Aufgaben kennen und anwenden können
  • Inhalte, Themen wissen und kennen, darüber reflektieren, sich eine eigene Meinung bilden und diese im Gespräch mit anderen überzeugend vorbringen können.

Clevere Kinder, die angesichts ihrer Begabungen weit hinter ihren Möglichkeiten bleiben und vielfach schlechte Zeugnisnoten haben, nennt man „hochbegabte Underachiever„. Richtig problematisch wird es dann, wenn der Schüler aufgrund der Noten nicht versetzt wird und die Klasse wiederholen muss.

Auf der anderen Seite gibt es Kinder, die viele gute und sehr gute Noten in ihrem Zeugnis haben, dies aber nicht als besondere Leistung empfinden. Dann könnte eine Unterforderung vorliegen, die dauerhaft negative Auswirkungen hat wie Demotivierung, Arbeitsverweigerung und häufig auch schlechte Noten. In diesem Fall ist zu überlegen, welche Maßnahmen helfen. Das Überspringen einer Klassenstufe – Stichwort Acceleration – ist in der Grundschule meist das einzige Mittel, das angewendet wird. Alternativ gibt es das Enrichment, d.h. das Anreichern mit weiterem Lernstoff, dies ist aber abhängig von der Initiative der einzelnen Lehrkraft bzw. der Eltern außerhalb der Schule.

Vorbeugen ist besser als Heilen

Deswegen: Beugen Sie vor! Finden Sie Handlungsalternativen!

  1. Fragen Sie zunächst Ihr Kind danach, welche Möglichkeiten es sieht zur Verbesserung. Oft ist es aber für das Kind schwierig, hierzu Ideen sowie Möglichkeiten zu formulieren.
  2. Sprechen Sie mit der zuständigen Lehrkraft. Wenn die Versetzung gefährdet ist, ist i.d.R. ein Förderplan aufzustellen. Ebenso soll ein hochbegabtes und unterfordertes Kind gefördert werden. Fragen Sie, mit welchen Mitteln die Förderung geschehen soll.
  3. Suchen Sie externe Hilfe für Ihr Kind, sei es Coaching im Hinblick auf die Motivation, das Erwerben von Lerntechniken und zu Inhalten (Stichwort: Nachhilfe), damit eine Verbesserung erreicht wird.

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Wenn Sie Fragen habenzu Zeugnisnoten Ihres Kindes, welche Möglichkeiten zur Verbesserung es gibt oder anderem: schreiben Sie mir. Vereinbaren Sie einen Termin für ein Beratungsgespräch, fragen Sie nach einem Coaching zu Lerntechniken für Ihr Kind, erkundigen Sie sich, was beim Überspringen einer Klassenstufe zu beachten ist. Melden Sie sich unter info@iqberatung.de. Ich freue mich auf Ihre Anfragen.

 

Übrigens: Einsteins Maturzeugnis kann man sich hier ansehen: Albert Einstein’s exam of maturity grades

 

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